Arbeiten in der Veränderung – so gelingt‘s

„Nichts ist beständiger als der Wandel“ sagte schon Heraklit vor 2500 Jahren. Dass Veränderungen allgegenwärtig sind und dieses Zitat einen wahren Kern hat, können wir alle in unserem privaten und beruflichen Alltag erleben. Wir werden erwachsen, ziehen in die Welt, erlernen einen Beruf, gründen eine Familie, eignen uns neue Fähigkeiten an, wechseln den Job, den Partner oder die Stadt. All das sind enorme Anpassungsleistungen, deren Ausmaße uns manchmal erst im Nachhinein in vollem Umfang bewusst werden. Im Unterschied zu Heraklits Zeiten ist die Geschwindigkeit von Veränderungen heute gestiegen. Durch Globalisierung, weltumspannenden Handel, Digitalisierung und moderne Kommunikationstechnologien hat sich die Halbwertszeit von Informationen und Strukturen stark verkürzt. Wandlungsfähigkeit – sowohl von Organisationen als auch von Menschen – ist für das Überleben in der modernen Welt von essentieller Bedeutung.

 

Die Angst vor Veränderungen

Obwohl Veränderungen uns das ganze Leben lang begleiten, stehen wir ihnen, zumindest zu Beginn, meist skeptisch gegenüber. Dies ist ein wichtiger und natürlicher Schutzmechanismus und bewahrt uns vor Fehlern und ihren Folgen. Die Forschung zu Veränderungen hat gezeigt, dass Menschen, Teams, aber auch ganze Organisationen in ihrem Erleben von Veränderungen einem typischen Ablauf folgen: der sogenannten Veränderungskurve. Diese verläuft in sieben Phasen mit Höhen und Tiefen in Aktivität, Produktivität und Motivation. Nehmen Sie ein Beispiel einer Veränderung aus Ihrem beruflichen oder privaten Alltag und schauen Sie wie Sie sich im Laufe der Zeit verhalten und gefühlt haben – vielleicht finden Sie sich an der ein oder anderen Stelle der Kurve wieder.

 

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Häufig ist es ein Schock, wenn wir mit veränderten Rahmenbedingungen einer unmittelbar bevorstehenden Veränderung konfrontiert werden – wir waren nicht darauf vorbereit, haben die Vorzeichen nicht gesehen oder falsch gedeutet. Wir haben Angst und zweifeln daran, die richtigen Fähigkeiten zu besitzen, um den neuen Anforderungen gerecht werden zu können.

Ist der Schock erst einmal verwunden, neigen wir dazu, die Veränderung abzulehnen und zu verneinen. Wir versuchen uns selbst davon zu überzeugen, dass der Wandel nur minimale Veränderungen mit sich bringen wird und eigentlich alles so bleibt, wie es ist. An dieser Stelle unterschätzen wir oft eigene Potenziale wie Lernbereitschaft, Flexibilität und Kreativität, die uns ja schon unser ganzes Leben geholfen haben, uns an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

 

Das Neue erkennen, entdecken und erlernen

In der dritten Phase erfolgt die rationale Einsicht, wir erkennen die Notwendigkeit der Veränderung. Uns wird bewusst, dass wir z.B. ein Verhalten ändern oder eine neue Kompetenz erlernen müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Auf die rationale Einsicht folgt die emotionale Akzeptanz, die gleichzeitig der Tiefpunkt der Veränderungskurve ist. Wir sind zwar bereit, alte Verhaltensweisen aufzugeben, haben aber noch keine Vorstellung davon, wie das Neue aussehen kann. An diesem Punkt ist es wichtig, ähnlich wie beim Erlernen einer neuen Sportart, mit einem guten Team oder Trainer die neuen Kompetenzen zu übern und auszuprobieren. Zentral ist, dass wir Fehler zulassen und die Bereitschaft entwickeln, Neues tatsächlich auszuprobieren. Nur so besteht die Chance, dass wir herausfinden wie z.B. die neue Zusammenarbeit funktionieren kann und im Sinne der Erkenntnis ein klares Bild von der Zukunft entwickeln. In der letzten Phase erfolgt dann die Integration der Verhaltensweisen, die sich als erfolgreich und sinnvoll erwiesen haben und die neuen Arbeitsweisen werden mit der Zeit als selbstverständlich angesehen und unbewusst angewendet. Häufig fühlen wir uns nach Abschluss der Veränderung sogar kompetenter als vorher.

 

Veränderungen und eigene Erfahrungen

Die Veränderungskurve veranschaulicht, dass sowohl Organisationen, als auch Teams und Einzelpersonen, Zeit brauchen, sich an Veränderungen anzupassen und dabei in jedem Veränderungsprozess aufs Neue unterschiedliche emotionalen Phasen durchlaufen. Das Verständnis dieses Prozesses und die Akzeptanz, dass Veränderungen zu unserem Leben dazugehören, können uns helfen mit zukünftigen Veränderungen besser umzugehen. Wichtig ist dabei auch die Auseinandersetzung mit unseren eigenen Erfahrungen.

Nehmen Sie sich Zeit und stellen sich folgende Fragen:

  • Was waren die größten Veränderungen, die ich bzw. wir als Team bereits gemeistert habe(n)?
  • Wie habe ich diese Veränderungen erlebt?
  • Was waren dabei die größten Erfolgsfaktoren?

Die Beantwortung dieser Fragen kann Ihnen dabei helfen, Ihre eigenen Erfahrungen mit Veränderungen zu reflektieren und diese so für die nächsten Veränderungsprozesse zu nutzen. Denn eines ist sicher: „Nichts ist beständiger als der Wandel“.

 

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Juliane Pelz

Über den Autor

Juliane Pelz, Consultant bei der DETEGO GmbH & Co. KG hat ihren Arbeitsschwerpunkt in der Organisationsentwicklung und im Change Management. Als besondere Herausforderung sieht sie die Integration von Mitarbeitern und Führungskräften in die aktive Gestaltung des Veränderungsprozesses und die abteilungsübergreifende Vernetzung von Führungskräften.

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