Back from Singapore – Change-Prozesse in Fernost

Zurück aus Südostasien; erst der Weltgipfel für Frauen in Führungspositionen, der mich bereits absolut begeistert hat, und gleich darauf der 5-tägige Change-Workshop mit CEOs und Top-Managern aus dem gesamten südostasiatischen Raum. Fast fehlen mir die Worte für die Dichte an Eindrücken und Erlebnissen, für das Interesse aneinander, an verschiedenen Perspektiven und Kulturen, für die – ja, globale! – Aufgeschlossenheit, die ich in diesen zwei Wochen erleben durfte. Ich kann mir nur wünschen – mehr davon! Weltweit!

Globalisierung: ein eigentlich schon zu stark strapaziertes Wort: Hier und im Rekapitulieren meines Workshops aber passt es – im positiven Sinn. Fünf Tage lang habe ich im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Polytechnischen Zentrum Singapur mit 16 CEOs und Top-Managern aus acht Fernost-Staaten individuelle Architekturen für Change-Prozesse erarbeitet. Auf dem Hintergrund sehr heterogener politischer und kultureller Verankerungen.

Schon im Rahmen eines grundlegend-gemeinsamen Verständnisses von Politik, Wirtschaft und Kultur sind Change-Prozesse eine Herausforderung für alle Akteure. Um wie viel mehr gilt dies für Organisationen aus Herkunftsländern, die in ihrem gesamten Werteverständnis – gehalten zwar durch das Band Fernost – dennoch untereinander kaum  unterschiedlicher kaum sein könnten: Von demokratisch legitimierten bis hin zu streng autokratisch geführten Systemen. Die Führungskräfte aus Bildungsorganisationen kamen

  • aus dem demokratisch legitimierten Mehrparteiensystem Indonesien,
  • aus dem weltweit viertstärksten Finanzzentrum Singapur, einem Law und Order Staat mit einem rigorosen Rechtssystem,
  • aus der sozialistischen Republik Vietnam mit ihrem bis heute schwierigen Selbstverständnis einer Wiedervereinigung des kommunistischen Nordvietnams und des von westlicher Kultur beeinflussten Südvietnams,
  • aus dem Sultanat Brunei mit dem Recht der Scharia,
  • aus der Demokratischen Volksrepublik Laos, in der es dennoch kein Mehrparteiensystem gibt,
  • aus dem Königreich Kambodscha, das mit der Abschaffung der Todesstrafe als Vorreiter in ganz Asien gilt,
  • aus den von politischen Wirren und Aufständen bis zum heutigen Tage gebeutelten Philippinen
  • und aus der Volksrepublik China mit ihrer exorbitanten Wirtschaftsmacht und ihrem für den Westen oft verstörenden Umgang mit Meinungsfreiheit.

Für die Führungskräfte aus diesen Politik- und Wirtschaftssystemen galt es nun, Change-Prozesse zu analysieren und auf die Erfordernisse ihrer Bildungsorganisationen anzupassen. Wir arbeiteten an den Erfolgsfaktoren und den Phasen des Change-Prozesses, erstellten Stakeholder-Analysen und wagten uns vor zur kritischen Selbstreflexion von Führungsverhalten und Leadership. Eine wirklich große Aufgabe gerade angesichts sehr unterschiedlicher Hierarchieverständnisse aber auch sehr divergierender finanzieller Ressourcen.

Und ich denke, wir alle können nach fünf Tagen intensiver Zusammenarbeit sagen: Wir haben viel, sehr viel erreicht – und entsprechend der individuellen Situationen völlig unterschiedliche Change-Architekturen erarbeitet. Gerade auch der Austausch über die vielfältigen  Herangehensweisen im Change hat alle bereichtert. Jeder ist mit großer Motivation und einer auf seine Organisation zugeschnittenen Change-Architektur in sein Unternehmen zurückgekehrt; besonders der Blick auf gänzlich andere Strukturen und Wertvorstellungen hat uns alle im tiefen Sinn beflügelt. Für mich als Mensch, weit über die Workshop-Leitung hinaus, bleiben neu gewonnene Freundschaften, Einladungen nach Hanoi, Shanghai, San Carlos, Singapur und, und, und….. Und das Empfinden einer tiefen inneren Bereicherung und großer Dankbarkeit für diese Erfahrung.

Charlotte Heidsiek

Über den Autor

Dr. Charlotte Heidsiek, Management Consultant bei Detego GmbH & Co. KG, ist auf das Thema Führung spezialisiert. Von der strategischen Neuausrichtung von Führungskultur über Leadership-Programme bis hin zum individuellen Coaching berät sie Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene. Besonders schlägt ihr Herz beim Thema „Frauen in Führung“!

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