Das Mitarbeitergespräch: So unterschiedlich wie die jeweilige Führungskraft

Wann und in welchen Abständen ist es sinnvoll? Wie wichtig ist die Vorbereitung? Und wie schwer wiegt die innere Einstellung, die die Führungskraft bewusst oder unbewusst gegenüber seinem Mitarbeiter hat? Diese drei Aspekte des Mitarbeitergesprächs, mit entscheidendem Einfluss auf das Gelingen dieses Führungsinstruments, haben wir in Teil 1 bis 3 untersucht haben. Im abschließenden Teil 4 unserer Reihe zum Mitarbeitergespräch nehmen wir den Führungstyp unter die Lupe, der dieses Gespräch führt: Welche Rolle spielt es, wie die Führungskraft tickt?

 

Im Rahmen des Leadership Agility-Denkmodells werden drei Reifegrade von Führungsverhalten definiert, wir nennen diese Reifegrade Agilitätslevel. Der Agilitätslevel sagt etwas darüber aus, wie beweglich die Führungskraft auf Herausforderungen und bestimmte Situationen reagiert; und wie sie sich selbst in ihrer Rolle und ihren Denk- und Handlungsspielräumen sieht. Die drei Levels des Führungshandelns zeigen sich in Gestalt

  • des „Expert“ (des Fachmanns in seinem Gebiet),
  • des „Achievers“, (des leistungs- und zielorientierten Strategen) und
  • des „Catalyst“, der als Visionär, Entwickler und Förderer seiner Mitarbeiter in Erscheinung tritt.
Jeder Reifegrad in der Führung integriert die Fähigkeiten des vorhergehenden

Jeder Reifegrad in der Führung integriert die Fähigkeiten des vorhergehenden

Der „Catalyst“ integriert situationsbezogen Handlungsstile von „Achiever“ und „Expert“; der „Achiever“ bezieht situationsbezogen den Führungsstil des „Expert“ in sein Führungshandeln ein. Im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs hat der jeweilige Führungsstil maßgeblich Einfluss auf Gesprächsführung und Intention der Führungskraft.

 

 

 

Der Fachmann fokussiert auf das Sachthema

Der „Expert“  ist weniger der aufmerksame Zuhörer, er will im Mitarbeitergespräch eher seine Vorstellungen übermitteln und sieht sich als Wortführer. Diese Führungskraft ist sehr auf die Sache fokussiert, um die es im Gespräch gehen soll. Und in diesem Zusammenhang formuliert sie durchaus energisch ihre Meinung. Es gibt auch Situationen, in denen sie sich bewusst mit ihrer Meinung zurückhält, um einen Konflikt zu vermeiden. Denn hinsichtlich schwieriger Gespräche ist sie skeptisch, ob diese wirklich etwas bringen. Dieser Führungskraft geht es vornehmlich um das fachliche Vorwärtskommen, überfachliche Feedbackgespräche sind ihr eher unangenehm. Der „Expert“ ist vorrangig ein Faktenmensch, er mag klare, eindeutige Ansagen und Situationen. Dieser Typ Führungskraft strebt danach, dass Situationen berechenbar bleiben.

 

Zwischenmenschliches im Interesse der Zielerreichung

Der „Achiever“ bindet in seine Gesprächsführung auch überfachliche Elemente ein. Das Zwischenmenschliche im Mitarbeitergespräch ist ihm wichtig, denn so gewinnt er stärker einen Eindruck vom Leistungswillen des Mitarbeiters. Auf Basis seiner eigenen Zielorientierung, dient dieser Führungskraft das Mitarbeitergespräch vor allem dazu, den Mitarbeiter zum „an einem Strang ziehen“ zu motivieren – um gemeinsam ein vom „Achiever“ definiertes Ziel bestmöglich zu erreichen. In diesem Verständnis bevorzugt diese Führungskraft einen Stil, der entweder Zuversicht vermittelt oder auch Fürsorge und Entgegenkommen; je nachdem, mit welchem Mitarbeitertypus sie zusammensitzt und was diesen eher motiviert.

 

Gemeinsam und kreativ Dinge voranbringen

Der „Catalyst“ ist im Mitarbeitergespräch vor allem am gemeinsamen kreativen Prozess interessiert. Er bringt Ziele, Ideen und Visionen ins Gespräch ein, holt dann aber auch umgehend die Meinung seines Gesprächspartners dazu ein. Er pflegt einen durchsetzenden und zugleich raumgebenden Gesprächsstil. Grundannahmen („so sind die Dinge eben“) thematisiert er umgehend: „Ist das wirklich so?“ Durch diese Art der Gesprächsführung fordert er den Mitarbeiter konstruktiv heraus, damit dieser merkt, was an Ideen in ihm steckt.

Um seinen Mitarbeiter in seiner kreativen Ideenfindung im Rahmen des Gesprächs anzuregen und zu fördern, kombiniert diese Führungskraft in ihrem Gesprächsstil Elemente der Zuversicht, des Entgegenkommens und der Fürsorge. Charakteristisch für den „Catalyst“ ist sein lebhaftes Interesses an unterschiedlichen Sichtweisen und Meinungen und seine tiefe Überzeugung, daraus lernen zu können. Aus diesem Grunde sind Feedbackgespräche für ihn ein sehr wichtiges Führungsinstrument. Gemeinsam etwas bewegen und entwickeln zu können, ist für diese Führungskraft die Essenz eines Mitarbeitergesprächs.

Die Reihe zum Mitarbeitergespräch

Teil 1: Die Kultur des Gesprächs miteinander

Teil 2: Gute Vorbereitung ist der halbe Sieg

Teil 3: Mit welcher inneren Einstellung geht die Führungskraft da ran?

 

Beitrage zum Themenfeld Leadership Agility

Die Evolution und das Topmanagement

Wie Kreativität und Führungsstil zusammenhängen

Fach- und Führungswissen – ein identisches Geschehen?

Wie werden Organsiation und Führungsspitze zukunftsfit?

Vertrauen kommt  billiger als Kontrolle

 

Oliver Rothfuß

Über den Autor 

Oliver Rothfuß, Management Consultant bei der DETEGO GmbH & Co. KG hat seinen Arbeitsschwerpunkt in der Personal- und Organisationsentwicklung, hier spezifisch die Begleitung in Veränderungsprozessen und das Coaching von Führungskräften. Sein besonderes Augenmerk gilt dem Skill-Management und der Relevanz richtig eingesetzter Talente im Team.

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