Frauen in Führungspositionen auf dem Sprung

Am 19. Februar veranstaltet die WOMEN’s Business Lounge ihre neunte Jahreskonferenz für Frauen in Führungspositionen und Unternehmerinnen: der „Women´s Business Day“ in Hamburg. Ich freue mich darauf und nutze den Tag gerne, um spannende Frauen kennenzulernen, Impulse zum Thema Führung und meine persönliche Weiterentwicklung zu bekommen. Auf der Konferenz geht es neben den Karrierechancen innerhalb von Unternehmen interessanterweise auch um den Schritt in die Selbstständigkeit – denn: Vielen Frauen geht die Entwicklung innerhalb des Unternehmens zu langsam und sie entscheiden sich, selbst Unternehmerin zu werden.

Das komplette Programm zur Konferenz finden Sie hier.

Sehr gespannt bin ich auf den Austausch mit Brigitte Huber, Chefredakteurin der BRIGITTE. Sie präsentiert die Ergebnisse zur Studie „Frauen auf dem Sprung“, die sie zusammen mit Dr. Jutta Allmendinger (Wissenschaftszentrum Berlin) hat durchführen lassen.

 

Frauen wollen alles – eine Studie

Frauen zwischen 25 und 35 wollen alles! Beruf, Kinder, Freunde und finanzielle Selbstständigkeit. Dabei stehen sie unter Druck und fühlen sich zu wenig von Männern und auch der Politik unterstützt.

Die zentralen Ergebnisse der Studie

  1. Frauen wollen arbeiten: Mit 91 Prozent betonen die befragten Frauen wie wichtig ihnen Erwerbsarbeit und eigenes Geld sind. Sie wollen finanziell unabhängig sein. Auch Männer (76%; 2007: 54%) wünschen sich zunehmend Frauen, die auf eigenen Beinen stehen. Immer seltener sehen sie sich als Alleinernährer der Familie.
  1. Keine Spur von Retraditionalisierung: Familie und Beruf zusammen? Ja! Erwerbsarbeit bleibt auch mit Kindern weiterhin wichtig und selbstverständlich. Nur noch 5% der Frauen ist die Familie heute wichtiger als der Beruf. „Die von vielen erwartete Retraditionalisierung von Frauen ist nicht zu beobachten“, sagt Jutta Allmendinger.
  1. Der Kinderwunsch ist da, aber … : 93 Prozent der Frauen wünschen sich Kinder. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beurteilen die jungen Frauen jedoch zurückhaltend. Obwohl sie heute eher als 2007 meinen, dass Unternehmen auf die Belange von Eltern eingehen, sehen sie mit Kindern ihre Chance auf eine Karriere dahinschwinden. 53 Prozent der Frauen stimmten 2012 der Aussage zu: „Wer Kinder hat, kann keine wirkliche Karriere machen.“ (2007: 36 Prozent). Die befragten Frauen, die Kinder bekommen haben, fühlen sich beruflich ausrangiert. Hinzu kommt: Insbesondere Männer erleben die Gesellschaft als kinderfeindlich. Obgleich auch sie gerne Kinder hätten, bleiben sie unentschlossen. Frauen und Männer zögern die Familiengründung immer länger hinaus. Um in Unternehmen mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sollte innerhalb der Organisation das Thema Kind und Karriere also weiterhin ernst nehmen bzw. noch konsequenter verfolgen und Lösungen anbieten.
  1. Mehr unbezahlte Arbeit: Frauen und Männer wünschen sich eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familie – die Wirklichkeit sieht anders aus. Zeitintensive Arbeiten im Haushalt wie Putzen, Waschen und Kochen werden mehrheitlich von den Frauen übernommen – auch dann, wenn noch keine Kinder im Haushalt leben. Auch Pflege und Kindererziehung bleiben Frauensache. Ein Drittel der Männer würde die Erwerbsarbeit nicht für die Kindererziehung unterbrechen, die restlichen Männer nur kurz.
  1. Mit schlechter Ausbildung keine Chance: Frauen und Männer mit guter Ausbildung sind heute erfolgreicher und sehr viel zufriedener mit ihrem Leben als jene mit schlechter Bildung. Diese waren 2007 noch ebenso selbstbewusst und zuversichtlich wie die gut Gebildeten. Heute fühlen sie sich abgehängt.

In der Studie „Frauen auf dem Sprung“ wurden 2007 über 2.000 Frauen und Männer zwischen 17 und 19 bzw. 27 und 29 Jahren persönlich interviewt, eine Wiederholungsbefragung erfolgte 2010. 2012 wurde eine Teilmenge von 501 Menschen zum dritten Mal befragt. Ende 2012 berichteten dieselben Frauen und Männer, wie sich ihr Leben seitdem verändert hat und wie sich ihre Einstellungen entwickelt haben. 42 Prozent haben inzwischen ein Kind bekommen, 80 Prozent sind nun im Beruf und 51 Prozent leben mit ihrem Partner zusammen.

 

Frauen in Führungspositionen – was fehlt?

Für Frauen in der Führung bestätigt sich noch einmal mehr, welche Verantwortung Unternehmen, Gesellschaft und Politik haben. Frauen mit Kindern wollen Karriere machen und sie müssen dabei unterstützt werden. Maßnahmen wie Doppelspitzen, Verringerung von Stunden, Heimarbeit – also alles was zu einer Flexibilisierung führt – aber natürlich auch die Arbeit an der Unternehmenskultur und der politische Druck usw. sollten bekannt sein. Was leider anscheinend noch zu sehr fehlt, ist der Wille. Die Diskussion muss ernsthafter geführt werden, es müssen Taten folgen. Die Studie ist wieder einmal ein Hinweis darauf. Mal sehen, wie im Rahmen des Women´s Business Day darüber gesprochen wird.

 

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Charlotte Heidsiek

Über den Autor 

Dr. Charlotte Heidsiek, Management Consultant bei Detego GmbH & Co. KG, ist auf das Thema Führung spezialisiert. Von der strategischen Neuausrichtung von Führungskultur über Leadership-Programme bis hin zum individuellen Coaching berät sie Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene. Besonders schlägt ihr Herz beim Thema „Frauen in Führung“!

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