Veränderung im Unternehmen: die Zimmer der Veränderung

Vielen von Ihnen kennen die Kurve der Veränderung: ein Modell, um komplexe Veränderungsphänomene in Organisationen zu erklären. Ich stelle Ihnen heute ein weiteres Modell vor, das hilft, einen typischen Verlauf eines Veränderungsprozesses zu beschreiben: die Zimmer der Veränderung.

Das Modell „Zimmer der Veränderung“ stellt die Phasen in Veränderungen als Zimmer in einer Wohnung dar und verdeutlicht, was mit Menschen in Veränderungsprozessen passiert.

 

Das Modell ist hilfreich um zu reflektieren,

  • in welcher Phase ich mich als Führungskraft in einem Veränderungsprozess wiederfinde,
  • in welcher Phase sich die Mitarbeiter befinden,
  • was ich als Führungskraft in einem Veränderungsprozess benötige,
  • was Mitarbeiter in einem Veränderungsprozess benötigen.

Durch die Anwendung dieses Modells kann eine Grundlage geschaffen werden, geeignete Maßnahmen im Veränderungsprozess zu identifizieren. Dies kann z.B. am Anfang eines Veränderungsprozesses hilfreich sein, aber auch dann, wenn es während eines Change-Projektes knirscht und Widerstände auftreten.

 

Das Modell: Zimmer der Veränderung

Das Modell zeigt auf, wie Menschen auf Veränderungen reagieren. Bei Veränderungsprozessen durchlaufen Menschen typischerweise vier Phasen. Die Phasen treten nacheinander auf, dauern mal länger, mal kürzer, können aber nicht übersprungen werden.

Zimmer der Veränderung

 

Das erste Zimmer ist das Zimmer der Zufriedenheit. Dies ist der Ausgangspunkt des Rundgangs. In diesem Zimmer fühlt man sich sicher und wohl, kennt das Umfeld, weiß die alltäglichen Situationen zu meistern und hat einen Status Quo den man gerne beibehalten möchte. Es gibt keinen Grund für einen Wechsel des Raumes.  Dieses Zimmer verlässt man nur, wenn man durch eine Veränderung von außen gezwungen wird.

Ist dies der Fall, geht man  quasi automatisch durch eine Tür zum nächsten Zimmer: dem Zimmer der Verleugnung. In diesem Raum verhält man sich üblicherweise so, als ob alles in Ordnung wäre, man alles in Griff hätte. Es kann sich jedoch ein gewisses Unbehagen breit machen, das sich in Form von Angst und Widerstand zeigen kann. Typischerweise werden in diesem Zimmer die vergangenen Zeiten glorifiziert, die aktuelle Situation verteidigt, der Ton kann schon mal aggressiver werden und Frust kann sich breit machen.

Über kurz oder lang weiß man nicht mehr was man machen soll. Man realisiert, dass es kein Zurück zum alten Zustand mehr gibt. Die alten Regeln gelten nicht mehr und neue gibt es noch nicht. Sorgen und Nöte, Ohnmacht sowie Hilflosigkeit machen sich breit. Es herrscht eine emotionale Verwirrung. Willkommen im Zimmer der Verwirrung!

Ist diese Tiefphase überwunden, kann der Weg weitergehen zum Zimmer der Erneuerung. Das Neue wird ausprobiert und umgesetzt, man lernt aus Fehlern, verbessert sich kontinuierlich, hat wieder Orientierung und mehr Sicherheit. Ein Gefühl von „lass es uns anpacken“ macht sich breit. Von hier aus geht es dann wieder zum Zimmer der Zufriedenheit.

 

Analyse: Wer befindet sich in welchem Zimmer der Veränderung?

Mit der Führungskraft kann nun im einem Coachingprozess erarbeitet werden, in welchem Zimmer der Veränderung sie sich selbst befindet. Hilfreiche Fragen dabei sind:

  • Woran machen Sie fest, dass Sie sich dort befinden?
  • Woran können andere erkennen, dass Sie sich dort befinden?

Der gleiche Prozess wird nun mit dem Fokus auf die Mitarbeiter unternommen, d.h. die Führungskraft reflektiert, welche Mitarbeiter(-gruppen) sie in welchem Zimmer sieht. Hierbei wird hinterfragt, woran die Führungskraft das festmacht und welche Hypothesen sie hat weshalb sich die Mitarbeiter in einem bestimmten Zimmer befinden.

Bei der Analyse ist oft ein Aha-Effekt bei der Führungskraft feststellbar, und zwar in der Weise, dass die Führungskraft feststellt, dass sie sich schon im nächsten Zimmer befindet, während die Mitarbeiter noch in einem Zimmer zuvor verharren.

 

Ableitung von Schritten: Was kann ich tun?

Nach der Analyse werden zusammen mit der Führungskraft nächste Schritte abgeleitet. Die leitenden Fragen sind:

  • Wenn ich mir meine Positionierung in dem Modell ansehe, was würde mir helfen und was kann ich dann tun?
  • Wenn ich mir die Positionierung der Mitarbeiter ansehe, was würde ihnen helfen und was kann ich dann als Führungskraft tun?

 

Workshop mit Führungskräften und Mitarbeitern in der Veränderung

Das Modell ist auch gut in einem Workshop mit Führungskräften oder zwischen Führungskraft und deren Mitarbeitern anwendbar. Es kann für die Teilnehmer eine gewisse Entlastung im Sinne von „ich darf so sein. Es ist okay, wenn ich mich so fühle“ schaffen, da allen im Workshop deutlich wird, dass es gewisse emotionale Gesetzmäßigkeiten bei Veränderungsprozessen gibt. Zudem wird durch ein erlebnisorientiertes Vorgehen und durch den Austausch ein Verständnis untereinander hergestellt, das es ermöglicht zentrale Probleme offen anzusprechen.

 

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Oliver Rothfuß

Über den Autor 

Oliver Rothfuß, Management Consultant bei der DETEGO GmbH & Co. KG hat seinen Arbeitsschwerpunkt in der Personal- und Organisationsentwicklung, hier spezifisch die Begleitung in Veränderungsprozessen und das Coaching von Führungskräften. Sein besonderes Augenmerk gilt dem Skill-Management und der Relevanz richtig eingesetzter Talente im Team.

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