Führungsagilität: Intuitive Wahrnehmung

Das Finden des nicht Gesuchten wird Intuition und Kreativität genannt. Kreativ sein bedeutet, mehr wahrzunehmen als die manchmal etwas ausgetretenen Pfade von lösungsorientierten Denken oder rationaler Konzepte und dadurch etwas wirklich Neues zu kreieren. Der erfolgreiche Umgang mit steigender Komplexität und Dynamik bedeutet außerhalb der althergebrachten Vorgehensweisen nach neuen Wegen zu suchen.

 

 

 

Loslassen und neu entdecken

Pablo Picasso, vielleicht einer der kreativsten Menschen des 20. Jahrhunderts, konnte seine Visionen, Vorstellungen und Perspektiven innerhalb von Minuten immer wieder ändern. Manchmal zeichnete er an einem Tag von ein und derselben Person fünf verschiedene Porträts – und war vollkommen frei gegenüber dem, was er gerade geschaffen hatte. Er war offen und wollte nichts Bestimmtes erreichen. Für einen Film malte Picasso 20 Minuten live, wobei der Zuschauer jeden Schritt mitverfolgen konnte. Erst malte er eine schöne Landschaft, nach zwölf Minuten machte er daraus einen prächtigen Hahn, dann fragte er, wie viel Zeit er noch habe. „Noch drei Minuten“, war die Antwort. „Dann habe ich ja noch viel Zeit“, sagt er – und macht aus dem Hahn einen Fisch.

Über dieses Finden, ohne zu suchen, schrieb er ein Gedicht:

Ich suche nicht – ich finde.

Suchen, das ist Ausgehen von alten

Beständen und ein Finden-Wollen

Von bereits Bekanntem im Neuen.

Finden, das ist das völlig Neue!

Das Neue auch in der Bewegung.

Alle Wege sind offen, und was

Gefunden wird, ist unbekannt.

Es ist ein Wagnis –

Ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewissheit solcher

Wagnisse können eigentlich nur

Jene auf sich nehmen, die sich

Im Ungeborgenen geborgen

Wissen – die in der Ungewissheit

Geführt werden – die sich im

Dunkeln einem unsichtbaren

Stern überlassen – die sich vom

Ziele ziehen lassen und nicht,

Menschlich beschränkt und

Eingeengt, das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue

Erkenntnis im Außen und Innen.

Das ist das Wesenhafte des

Modernen Menschen, der in aller

Angst des Loslassens doch die

Gnade des Gehaltenseins im

Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

                                           Pablo Picasso

 

Die „Angst des Loslassens“ muss sich nicht immer auf etwas Großes, Existenzielles beziehen. Es ist der Mut, mich von vertrauten Gedankenketten und Schlussfolgerungen zu lösen:

  • warum etwas ist, wie es ist, und wie es dazu wurde,
  • wie etwas kommen wird, wenn ich das und das mache,
  • was mir wichtig vorkommt und was unwichtig.

Es erscheint immer ein Wagnis, sich aus der Sicherheit gewohnter Vorstellungen, Erfahrungen, Überlegungen und Argumente zu lösen.

 

Intuition und Achtsamkeit

Für die Baumeister im Mittelalter war ein großer Schritt, von der Vorstellung loszulassen, je höher sie die Kirche bauen wollten, desto massiver und dicker müssten die Mauern sein. Stattdessen lockerten sie die Mauern mit riesigen Fenstern auf, machten sie damit leichter und entwickelten zusätzlich ein kompliziertes äußeres Stützsystem. Dazu gehörte der Mut zum Querdenken. Achtsamkeit ist gefordert, um das, was ich bisher für Gesetz hielt als bloße Vorstellung erkennen zu können – als lediglich meine bisherige Art, die Dinge zu sehen. Daraus entsteht die Freiheit, sich vorzustellen: Vielleicht kann es ja auch ganz anders gehen! Achtsamkeit und Intuition ermöglichen ein Erspüren dieser kommenden Wirklichkeit.

 

Führungsagilität – sich öffnen für das nicht Gesuchte

Vielleicht verläuft die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens auf dem Markt, oder in einem Team, anders, als es die rationale Analyse von gegebenen Informationen zulässt. Solche Daten wurden schließlich nur aus meinem Erfahrungsbewusstsein gewonnen und stabilisieren dieses weiterhin. Leicht kann man sich in der Welt gemachter Erfahrungen verfangen und hängt dann darin fest wie in einem Spinnnennetz. Keine ausreichende Basis für die die Zukunft betreffende Entscheidungen und Handlungen, die eventuell von ganz anderen Faktoren und Bewegungsgesetzen beeinflusst wird als denen, die bisher erfahren und rational verstanden wurden. Hier kann ein „Sich-Öffnen“ für das intuitive Finden des nicht Gesuchten, ein ahnungsvolles Spüren des noch nicht Gewussten das Kommende ermöglichen und somit Entscheidungen und Handlungen erlauben, die zukunftsrelevant sind.

 

Teil 1: Führungsagilität: Auf die innere Haltung kommt es an

Teil 2: Führungsagilität: Die Kraft des Optimismus

Teil 3: Führungsagilität: Achtsamkeit – Was nehme ich wahr?

 

Ralf Seidel

Über den Autor 

Ralf Seidel, geschäftsführender Gesellschafter der DETEGO GmbH & Co. KG, fokussiert insbesondere auf Veränderungen in der Unternehmenskultur sowie auf Potenzialanalysen und die Entwicklung von Führungskräften. Seine Erfahrung in meditativen Prozessen setzt er auch im Coaching von Führungskräften ein.

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