New Work – wird jetzt alles anders?

Es ist die Rede von Feelgoodmanagern, von hierarchielosen Unternehmen, gewählten Managern, multiplen Organisationsformen, Unternehmen als Genossenschaft und vieles mehr. Alles in allem geht es aber um die wirklich großen Fragen: Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Wie sehen die Organisationen der Zukunft aus? Und wie lassen sich die Herausforderungen der Zukunft meistern?

Zum zweiten Mal hat Xing in Kooperation mit Focus und Human Resources Manager den New Work Award verliehen. Mit dem Award werden zukunftsweisende Konzepte für die Arbeitswelt von morgen ausgezeichnet. Der Preis geht an Unternehmen, die nicht nur innovative Konzepte erdenken, sondern diese bereits leben und umgesetzt haben. Ein Versuch eine Plattform zu schaffen, die bestehende zukunftsweisende Konzepte öffentlich macht und so den Austausch und die Diskussion darüber fördert, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen wird. Start-Ups, KMUs und Großunternehmen haben sich beworben, eine Jury traf eine Vorauswahl und die Xing Community hat abgestimmt. In der Endauswahl waren einige der ganz Großen wie Daimler, Deutsche Bahn, Airbus, aber auch viele kleine bis dato eher unbekannte Unternehmen.

 

New Work Award 2015 – and the winner is…

Gewinner in der Kategorie Großunternehmen ist die Telekom mit ihrem Social Media Business Programm, welches die Social Media Aktivitäten des Unternehmens bündelt. Mit dem Ziel so schnell zu arbeiten wie es die Kunden in vernetzten Zeiten erwarten, wurden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Führungskräften etabliert, so dass über starre Fachbereichsgrenzen hinweg in einer virtuellen, hierarchielosen Programmorganisation zusammengearbeitet werden kann. Völlig neu klingt das nicht, interessanter ist da der Sieger unter den KMUs und Start-Ups auticon. Die auticon GmbH beschäftigt ausschließlich Autisten als IT-Consultants, die mit ihren besonderen Stärken, wie Mustererkennung, Logik, Präzision und ihrer Affinität zur Fehlererkennung in den Bereichen Software-Testing und Qualitätssicherung eingesetzt werden. Job-Coaches unterstützen sie im Arbeitsalltag z.B. bei kommunikativen Anforderungen.

Gero Hesse hat in seinem Blog Videos und Beschreibungen zu den Siegerprojekten zusammengestellt. Auf den ersten Plätzen sind ganz unterschiedliche Projekte gelandet, da stellt sich mir die Frage:

 

Was ist das eigentlich – New Work?

Der Begriff New Work geht ursprünglich auf den Sozialphilosophen Fritjov Bergmann zurück. Nach Schließung mehrerer Automobilwerke in einer amerikanischen Stadt, versuchte er mit der Bewegung New Work – New Culture, denen die ihren Job verloren hatten wieder eine Perspektive zu geben. Im Zentrum der Bewegung steht das Streben nach einem sinnerfüllten und selbstbestimmten Leben. Das Konzept Neue Arbeit soll die klassische Arbeitswelt von heute ablösen und Freiräume für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit schaffen. Zentrale Werte sind Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaft. New Work setzt sich nach Bergmann aus drei Teilen zusammen. Klassische Erwerbsarbeit dient dazu die finanzielle Basis für Dinge zu schaffen, die sich nicht in Eigenproduktion oder durch Netzwerke produzieren lassen. Durch Selbstversorgung auf höchstem technischem Niveau (High-Tech-Self-providing) können viele Güter selbst oder in nachbarschaftlichen Netzwerken produziert werden. Smart consumption, bewussteres und verändertes Konsumverhalten führt außerdem dazu, dass insgesamt weniger finanzielle Mittel benötigt werden. Der dritte Teil der neuen Arbeit ist der wichtigste Bestandteil von New Work – Calling. Berufung – Arbeit die wir wirklich tun wollen, die mit unseren eigenen Wünschen, Hoffnungen, Träumen und Begabungen übereinstimmt.

 

New Work als Antwort?

Obwohl der Begriff weder beim New Work Award noch sonst so umfassend verwendet wird, sondern meist nur als Synonym für innovative und zukunftsweisende Ansätze der Arbeit genutzt wird, ist der Gedanke dahinter doch viel größer. Diskussionen über Ansprüche und Vorstellungen der Generation Y und Z, die alternde Gesellschaft, Industrie 4.0 und Internet der Dinge, befeuern die Gewissheit, dass sich vieles nicht nur in der Arbeitswelt, sondern für die ganze Gesellschaft wandeln wird und das vielleicht schneller, als wir es uns alle vorstellen können. Die Auswirkungen werden riesig und umfassend sein. Nicht nur, dass viele Arbeitsplätze durch Automatisierung wegfallen werden, sondern auch das Verständnis und die Bedeutung von Führung, die Art wie wir zusammenarbeiten, relevante Skills, Organisation und Kommunikation werden sich grundlegend wandeln.

 

Auf zu neuen Ufern – das wollen viele Führungskräfte

Das der Wandel auch Einfluss auf Führung haben wird, da sind sich laut einer Studie, die nextpractice für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales durchgeführt hat, die Manager selbst sicher. 78% der Führungskräfte sagen: wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Der Weg könnte vom heutigen Führungsmodell, das durch Persönlichkeit, Planung und Profitmaximierung geprägt ist, hin zu einem neuen Modell gehen, das Information, iteratives Vorgehen und Integration in den Vordergrund stellt. Die Führungskräfte sind sich einig, sie müssen sich in Zukunft auf ergebnisoffene Prozesse einlassen. Verfahren wie Scrum und Design Thinking werden weiter an Bedeutung gewinnen und Leadership Agility immer wichtiger.

 

Wird jetzt alles anders? Nein, so schnell geht es nicht, aber – auch wenn die Konzepte der Finalisten und Gewinner des New Work Awards keine bahnbrechend neuen Ansätze sind, so zeigen sie doch, dass es sich lohnt an einer Strategie zu arbeiten wie mit den neuen Herausforderungen umgegangen werden kann und wie zukunftweisendes Arbeiten aussieht. Sie können Motivation für uns sein etwas Neues zu wagen.

 

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Juliane Pelz

Über den Autor 

Juliane Pelz, Consultant bei der DETEGO GmbH & Co. KG hat ihren Arbeitsschwerpunkt in der Organisationsentwicklung und im Change Management. Als besondere Herausforderung sieht sie die Integration von Mitarbeitern und Führungskräften in die aktive Gestaltung des Veränderungsprozesses und die abteilungsübergreifende Vernetzung von Führungskräften.

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