Topsharing: Wie erfolgreich ist die Doppelspitze?

Wenn zwei sich eine Arbeitsstelle teilen, nennen wir das heute Jobsharing und es gilt als Weiterentwicklung von Teilzeitarbeit. Für den Arbeitgeber, heißt es im Gabler Wirtschaftslexikon „liegt ein entscheidender Vorteil gegenüber dem reinen Teilzeitarbeitsverhältnis darin, dass der Arbeitsplatz während der gesamten betriebsüblichen Arbeitszeit besetzt ist“: Aber reicht das auch für Topsharing? Wenn zwei Führungskräfte eine Doppelspitze bilden, ist das mit Herausforderungen gekoppelt, die über das Teilen einer Fachposition weit hinaus gehen. Wie empfindet das Umfeld das Topsharing – beispielsweise die Mitarbeiter oder auch Kollegen oder der Vorgesetzte: als doppelte Anlaufstelle für Probleme oder eher einschüchternd?

 

Ende der 90er wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts an der ETH Zürich der Begriff des Topsharing entwickelt, mit der Fragestellung: „Ist Führung teilbar?“ Die Erfahrungen, die die Wirtschaft mit Topsharing gemacht hat, signalisieren ein deutliches „JA – Führung ist teilbar“.

Laut einer Umfrage der WirtschaftsWoche bei mehr als 500 Führungskräften sind drei von vier Managern von diesem Modell überzeugt. Eine internationale Umfrage von Bain & Company in Europa, den USA und Asien unter 3300 Führungskräften ergab eine Zustimmung von 94 Prozent bei weiblichen und 78 Prozent bei männlichen Führungskräften.

Die Gründe für ein Topsharing sind vielfältig. Das können Gründe privater Natur sein, etwa um mehr Zeit für die Familie zu haben, oder Topsharing als Übergangsregelung für den Nachfolger auf dem Chefsessel oder als Burn-Out-Prävention. Einer der Gründe angesichts einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt ist das Teilen von Verantwortung: das Vier-Augen-Prinzip.

 

Topsharing: Zwei Augenpaare sehen mehr als eines

Umstrukturierungen in der Organisation und der Wille, eine neue Führungsposition gemeinsam optimal zu gestalten, können Auslöser und Motivatoren für das Experiment „Topsharing“ sein. Das ist aber nur der erste Schritt in einen Prozess, der für das Führungstandem und für alle Player rund um die Doppelspitze große Herausforderungen bereithält. Ist ein Führungsduo in der mittleren Hierarchieebene angesiedelt, ist zuerst die Zustimmung der nächsthöheren Führungskraft erforderlich. Das bedeutet aber nicht, dass nun die Dinge ihren gewohnten Verlauf nehmen, nur in der Abwandlung eines Tandems in der Chefposition statt eines Solisten.

 

Topsharing: Was muss alles beachtet werden?

Zuerst stellt sich die Frage der organisatorischen Absprachen untereinander: Wie soll die Arbeitszeit aufgeteilt werden? Einer vormittags, die Chefkollegin nachmittags? Oder soll es auf eine Regelung Montag bis Mittwochmittag und Mittwochmittag bis Freitag hinauslaufen? Möglich ist auch Vollzeit für beide Chefs mit jeweils fachlicher Schwerpunktsetzung und Aufteilung von Meetings. Sind die eher operativen Punkte geklärt, warten die eigentlichen Herausforderungen:

  • Gibt es jemanden, der das letzte Wort hat? Oder läuft jede Entscheidung über Abstimmung und Konsens? Ein Führungsduo „ist nichts für Narzissten“, sagt die Diplom-Psychologin Astrid Schreyögg.
  • Wie eng müssen Abstimmungsprozesse sein? Vertrauen der beiden Chefs untereinander, Verlässlichkeit und jederzeitige Erreichbarkeit, wenn wichtige Entscheidungen anliegen, sind unerlässlich. Topsharing „birgt alle Chancen und Risiken der Teamarbeit“, sagt der Organisationspsychologe Jörg Felfe.
  • Wie groß sollte die Einigkeit gegenüber Mitarbeitern und auch Kollegen und Vorgesetzten sein? Einigkeit ist unverzichtbar, denn die Gefahr, gegeneinander ausgespielt zu werden, ist groß.

Völlige Transparenz und Offenheit untereinander sehen im ersten Moment wie das ultimative Erfolgsrezept aus; doch auch hier heißt es, nochmal sehr genau hinzuschauen.

 

Topsharing: Gefahr durch zu große Geschlossenheit

Gerade die Herausforderung, als Führungstandem in einer besonderen Situation und von allen Seiten unter Beobachtung zu sein, kann einen umso stärkeren Zusammenhalt eines Duos auslösen. Nach außen kann sich dies darin ausdrücken, dass Mitarbeiter, Kollegen aber auch Vorgesetzte nicht genügend einbezogen werden in Entscheidungsprozesse. In den Augen der Mitarbeiter, vor allem aber auch bei Kollegen und Vorgesetzten signalisiert ein sehr großes Einvernehmen innerhalb der Doppelspitze eine Stärke und eine Machtposition, die das Gefüge in der Organisation durcheinanderbringen könnte.

Entscheidend für den Erfolg eines Führungstandems ist das Bewusstsein von Wechselwirkungen des eigenen Auftretens und der Reaktion der anderen Player in der Organisation. Instrumente wie etwa verstärkte Feedbackrunden entspannen die Situation und schaffen die Basis, Topsharing mit einer größeren Gelassenheit wahrzunehmen.

Charlotte Heidsiek

Über den Autor

Dr. Charlotte Heidsiek, Management Consultant bei Detego GmbH & Co. KG, ist auf das Thema Führung spezialisiert. Von der strategischen Neuausrichtung von Führungskultur über Leadership-Programme bis hin zum individuellen Coaching berät sie Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene. Besonders schlägt ihr Herz beim Thema „Frauen in Führung“!

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