Vom Teammitglied zum Teamleiter: Herausforderung für die neue Führungskraft und ihr Team

Gestern noch Teil des Teams, heute der Chef der Truppe. Der Aufstieg innerhalb des eigenen Teams ist ein Vertrauensbeweis des Unternehmens an Sie, aber auch eine Herausforderung für alle hiervon Betroffenen. Sie als Teamleiter haben viele Jahre mit den Teammitgliedern zusammengearbeitet und mit manchen eventuell eine Freundschaft aufgebaut. Vielleicht hatten nicht nur Sie ein Auge auf die Teamleiter-Position geworfen, sondern auch andere aus Ihrem Team. Und die müssen sich jetzt nicht nur mit dem Gedanken anfreunden, dass Sie ab jetzt Ihr Vorgesetzter sind, sondern auch die Enttäuschung verarbeiten, dass sie es selbst nicht geworden sind.

 

Die Reaktionen reichen von der Hoffnung, dass der ehemalige Kollege als Chef sich jetzt endlich um die wirklich wichtigen Dinge kümmert bis hin zu Skepsis und Misstrauen. Jetzt sind alle Augen auf Sie als Teamleiter gerichtet, und Sie müssen sich erst einmal von Ihrem alten Image als Kollege und Mitstreiter lösen, damit Sie ein erfolgreicher „Chef“ sein können. Aber was heißt lösen? „Lösen“ bedeutet, ganz bewusst einiges anders zu machen, aber auch ganz bewusst einiges exakt so zu lassen wie vorher.

 

Neuer Aufgabenfokus als Teamleiter

Rational betrachtet ist doch in der Regel die größte Änderung, dass Sie nun als Teamleiter andere Aufgaben wahrzunehmen haben: Plötzlich haben Sie Personalverantwortung, verbunden mit der Delegation von Aufgaben, dem Setzen von Zielen sowie mit Mitarbeitergesprächen bzw. -beurteilung, ggf. auch mit Strategieentwicklung oder auch einem größeren Vertriebsfokus. Wie auch immer: diese Änderung kann ganz schön groß sein. Jetzt so tun, als wäre nichts geschehen, ist genauso unangemessen wie „keinen Stein auf dem anderen zu lassen“.

Der beste Ratgeber an dieser Stelle ist der Perspektivwechsel: was würden die Mitarbeiter als Ihre ehemaligen Kollegen als angemessen empfinden?

 

Versetzen Sie sich in die Köpfe Ihrer Mitarbeiter

Zu starkes, abruptes Abgrenzen wird schnell als Arroganz verstanden, aber nach wie vor den „alten Kumpel von früher zu spielen“ wird ebenfalls als irritierend, wenn nicht sogar als kritisch empfunden. Akzeptieren Sie also zunächst einmal, dass es aufgrund der Rollenänderung Menschen gibt, die Sie jetzt mit anderen Augen sehen.

Akzeptieren Sie, wenn die ehemalige Kollegin jetzt etwas mehr Distanz braucht und nicht mehr so viel Privates mit Ihnen machen möchte. Hier jetzt „eingeschnappt“ zu sein, wäre eher ein Zeichen, dass Sie selbst nicht die nötige Größe für die neue Situation und Position als Teamleiter haben.

Auch wenn man sich nicht künstlich verstellen sollte: die neu entstandene „Führungsbeziehung“ zwischen Ihnen und Ihren ehemaligen Kollegen muss quantitativ wie auch qualitativ gleichartig, also den neuen „Verhältnissen“ angemessen sein, völlig ungeachtet, wie intensiv diese Beziehung vorher mit Ihnen als Teammitglied war. Vorhandene Freundschaften oder Antipathien dürfen hier vom Grundsatz zukünftig keinesfalls als vorteilhaft bzw. als nachteilig von den Teammitgliedern wahrgenommen werden. Das muss Ihr Anspruch sein bzw. werden!

 

Teamleiter mit Weisungsbefugnis: „Der Ton macht die Musik“

Es gab ja hoffentlich gute Gründe, Sie zum neuen Teamleiter gemacht zu machen z. B. weil Sie schon Führungsqualitäten bewiesen haben, ohne Führungskraft zu sein: Sie hatten also Akzeptanz und Überzeugungskraft bei Ihren ehemaligen Kollegen vor allem durch Ihre Persönlichkeit und Ihre Fähigkeiten und eben nicht auf der Grundlage der nun zusätzlich vorhandenen „disziplinarischen Weisungsbefugnis“!

Bewahren Sie sich dieses Verhalten und diese Eigenschaft, ändern Sie hieran möglichst wenig, setzen Sie Ihre neu erworbene Macht der disziplinarischen Weisungsbefugnis so wenig wie möglich, am besten gar nicht ein. Auch und gerade in dieser Situation gilt: „Der Ton macht die Musik!“.

 

Vorsicht vor voreiligen Versprechungen

Eine weitere große Gefahr zum Einstieg ist, den ehemaligen Kollegen vorschnell Versprechungen zu machen. Sie kennen natürlich die Probleme und würden Sie am liebsten so schnell wie möglich lösen. Wäre ja auch ein super Einstieg, wenn Sie als neuer Teamleiter direkt zu Beginn das größte Problem lösen. Wenn aber die Geschäftsleitung nicht mitzieht, verspielen Sie bei Ihren Mitarbeitern schnell Ihr Ansehen.

Der Drang, direkt von Anfang an so schnell wie möglich zu zeigen, was man kann, ist groß. Aber wer zu schnell Veränderungen umsetzt, hängt bei dem Sprint sein Team ab. Gerade am Anfang brauchen die Teammitglieder Zeit, sich an den Rollentausch zu gewöhnen.

 

Die kleinen Gesten zählen besonders

Als neuer Teamleiter und ehemaliger Kollege sollten Sie besonders zu Beginn feinfühlig sein und die Stimmung im Team wahrnehmen. Den Befindlichkeiten im Team Raum zu geben und diese offen im persönlichen Gespräch anzusprechen, ist gerade zu Beginn wichtig. Blöde Sprüche zum Beispiel signalisieren oftmals Gesprächsbedarf des Mitarbeiters.

Sie sollten sich auch im Klaren darüber sein, dass Ihre Handlungen und Reaktionen gerade in den ersten Tagen oftmals für die Mitarbeiter symbolisch sind.

  • Halten Sie Ihre Termine ein?
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mitarbeiter?
  • Steht Ihre Bürotür offen?

In den ersten Tagen als Teamleiter können kleine Gesten sehr bedeutsam sein.

 

Die Reihe „Neue Führungskraft“

Teil 1: Neuer Verantwortungsbereich: Studieren oder kommunizieren?

Christian Brauner

Über den Autor 

Christian Brauner, geschäftsführender Gesellschafter der DETEGO GmbH & Co. KG, setzt seinen Schwerpunkt auf das Design und die Umsetzung von komplexen Veränderungsprozessen in Unternehmen, etwa in die Begleitung von Effizienzsteigerungsprogrammen oder großen IT-Transformationen. Einen weiteren Schwerpunkt setzt er auf das Coaching von Führungskräften und wichtigen Keyplayern im Unternehmen.

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