Zweierklärung – Klärungshilfe nach Thomann

Wie in meinem ersten Beitrag beschrieben habe, geht es in der Klärungshilfe um die Herstellung von Klarheit in zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies geschieht entweder in einer Zweierklärung oder in einer Teamklärung. Die Grundprinzipien sind bei beiden zwar ähnlich, die Komplexität jedoch bei einer Teamklärung naturgemäß ungleich größer.

An dieser Stelle konzentriere ich mich nur auf die 2er-Klärung. Die Besonderheiten einer Teamklärung sind Gegenstand eines späteren Beitrags.

Sinnbild für die Methode Klärungshilfe ist die sog. ‚Bridge over troubled water‘. In ihr sind die einzelnen Arbeitsschritte übersichtlich dargestellt.

 

Klärungshilfe

 

Auftragsklärung ist die Basis einer erfolgreichen Zweierklärung

Die wesentlichen Grundlagen für den Erfolg einer Klärung werden schon in der Phase Auftragsklärung gelegt. In dieser Phase geht es um elementare Grundfragen wie z.B. Wer sind die Beteiligten? Geht es um einen hierarchischen Konflikt? Ist die Methode hier überhaupt richtig? Bin ich die richtige Person für den Prozess? etc. Außerdem gilt es schlichte logistische Fragen zu klären wie z.B. Invest, Zeit und Raum. Der Auftraggeber muss zudem darauf vorbereitet werden, dass im Verlauf des Prozesses auch Unangenehmes zur Sprache kommen kann bzw. wird. Das ist den Anfragern vorher nicht immer klar.

Last but not least muss geklärt werden, dass der Klärungshelfer unabhängig von der Auftragserteilung stets allparteilich und nicht der Anwalt des Anfragers ist.

Sind die Konfliktparteien erst einmal in einem Raum beginnt die Struktur der Methode zu greifen.

 

Von der Anfangsphase in die Selbstklärung

In der Anfangsphase geht es darum, die Arbeitsfähigkeit aller Beteiligten herzustellen, also um die Schaffung einer Arbeitsatmosphäre, den Umgang mit ‚gemischten Gefühlen‘, die meist bei beiden Konfliktparteien vorhanden sind, die Rollenklärung und um die Vereinbarung von Spielregeln.

Nach dieser ‚Anwärmung‘ steigen wir in die eigentliche Klärung ein und zwar mit der sogenannten Selbstklärung. Hier findet nun ein Dialog ausschließlich zwischen Konfliktpartei und Klärungshelfer statt. Der Klärungshelfer als der ‚dümmste und langsamste‘ im Raum (bezogen auf das Thema), hat hier das Recht, nein die Verpflichtung, mit gezieltem Nachfragen die Situation der Konfliktpartei zu verstehen. Die andere Konfliktpartei darf in dieser Phase nur Zuhören oder Verständnisfragen stellen und muss ggf. je nach emotionaler Verfassung auch ausgebremst werden.

Hintergrund dieser Phase ist die Erkenntnis, dass es den Konfliktparteien in erster Linie darum geht, verstanden zu werden, dabei ist zunächst egal von wem. Bereits in dieser Phase können erstaunliche Erkenntnisprozesse bei der zuhörenden Konfliktpartei entstehen. Im Anschluss wird gewechselt und nun wird der anderen Konfliktpartei genau die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wie der ersten.

 

Dialog der Wahrheiten – das Herzstück der Zweierklärung

Mit Abschluss der Selbstklärung findet ein Übergang in das Herzstück des Prozesses, den ‚Dialog der Wahrheiten‘ statt.

Die Konfliktparteien beginnen nun miteinander zu kommunizieren. Der Klärungshelfer hat dabei die Aufgabe den Prozess zu begleiten und vor allem bei Bedarf zu verlangsamen. Dies geschieht mittels Doppeln und Dialogisieren (wird im Detail in einer der nächsten Folgen erklärt).

Wirkungsentscheidend ist an dieser Stelle in der Tat die Entschleunigung durch den Klärungshelfer. Zeichnen sich Konflikte doch in aller Regel dadurch aus, dass die Geschwindigkeit der Kommunikation, befeuert durch die Emotionen erheblich zunimmt und dabei die eigene Wahrnehmungsfähigkeit  reduziert wird.

Je nach Konfliktdimension kann dieser Prozessschritt bis zu 4 Stunden Zeit in Anspruch nehmen.

 

Die Phase der Erklärungen und Lösungen

Wenn eine Annäherung zu beobachten ist (oder die Zeit zu Ende ist) wird der Dialog vom Klärungshelfer beendet und in die Phase der Erklärungen und Lösungen gewechselt. Der Klärungshelfer fasst nun seine ‚Außensicht‘ des Erlebten für jede Konfliktpartei zusammen. Auch hier ist wieder auf strikte Allparteilichkeit bei Umfang und Gewichtung der Aussagen zu achten. Die Konfliktparteien werden zu Beginn aufgefordert, zu unterbrechen, wenn der Klärungshelfer etwas unvollständig oder falsch wiedergibt.

Je nach Ergebnis der Klärung können nun im Anschluss gemeinsam Maßnahmen beschlossen oder Vereinbarungen getroffen werden.

 

Schlussphase und Nachsorge runden die Klärung ab

Die Schlussphase dient dann dazu den Prozess abzurunden, Verantwortlichkeiten zu klären, das weitere Vorgehen zu besprechen und Feedback einzuholen.

Analog zur der dem Prozess zeitlich vorgelagerten Auftragsklärung findet zeitversetzt, etwa 4 -8 Wochen nach der Klärung eine Nachsorge in Form eines Telefonats mit dem Auftraggeber statt.

Für eine zielführende Zweierklärung sollten 2 halbe Tage geplant werden, idealerweise mit einer Nacht dazwischen, also z.B. von 13:00 Uhr bis 13:00 Uhr. Auch für die Zeit der Trennung gibt es ganz bestimmte Spielregeln die hilfreich für ein gutes Ergebnis sind. So sollte möglichst kein Kontakt der Konfliktparteien untereinander und möglichst auch keine Gespräche mit Dritten stattfinden.

 

Fazit

Eine Konfliktklärung nach der Methode Thomann bietet beste Voraussetzungen, um die Beziehungsfähigkeit zweier Menschen im Arbeitsprozess (wieder) herzustellen. Durch die eingesetzte Methodik wird eine andere Tiefe (und Nachhaltigkeit) erreicht, als bei einer klassischen Mediation, die sich in der Regel primär auf die Sachebene konzentriert.

Auf die speziellen Unterschiede der Teamklärung mit ihrer besonderen Dynamik sowie die Instrumente Dialogisieren und Doppeln gehe ich im nächsten Teil näher ein.

 

Klärungshilfe – eine Methode nach Christoph Thomann

Konfliktmoderation mit Führungskräften – Fallbeispiel

Coaching-Prozesse: Im Leadership-Check – wie gut manage ich einen Konflikt?

 

Jörg Wacha

Über den Autor

Joerg Wacha, Partner der DETEGO GmbH & Co. KG, hat einen Arbeitsschwerpunkt in der Beratung von Vertriebsorganisationen mit der Zielsetzung einer kundenorientierten Kultur sowie der Gestaltung komplexer und anspruchsvoller Veränderungsprozesse. Beim Führungskräfte-Coaching arbeitet er mit Potenzialanalysen.

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